Leseprobe

Montagmorgen bei Cars & More

Kapitel 1

Der Montag begann, wie Montage in Wilhelmshaven nun einmal beginnen: mit Wind aus West, der nach Jade roch und nach Regen, der sich noch nicht entschieden hatte, und mit einer Möwe, die auf dem Dach eines silbernen Opel Vectra saß, als hätte sie ihn gekauft.

„Runter da“, sagte Mario Zakkaloni.

Die Möwe sah ihn an, wie nur Möwen und Finanzbeamte einen ansehen können, und blieb sitzen.

Es war zwanzig vor acht, der 25. April 2005, und Mario stand mit dem Schlüsselbund in der Hand vor dem Tor seines Lebens. Bismarckstraße, Wilhelmshaven. Über der Einfahrt das Schild: CARS & MORE. Ein Kunde hatte das „More“ mal für einen Schreibfehler gehalten. Der Mann hatte dann einen Twingo gekauft und war seitdem dreimal wiedergekommen, einmal davon nur zum Kaffee. Das war, im Großen und Ganzen, das Geschäftsmodell.

Mario schloss auf. Zweiundzwanzig Autos standen auf dem Hof, ordentlich ausgerichtet, die Preisschilder hinter den Frontscheiben leicht beschlagen von der Nacht. Er kannte sie alle. Nicht so, wie man Ware kennt, sondern so, wie man Mitbewohner kennt. Der Golf in Atlantikblau, der beim Kaltstart zwei Sekunden überlegte, ob er heute Lust hatte. Der Passat Kombi, den Leonid drei Tage lang exorziert hatte, bis er nicht mehr nach Kettenraucher roch. Der kleine dunkelblaue Corsa in der ersten Reihe, frisch durchgesehen, Zahnriemen neu, ein ehrliches Ding. Und der silberne Vectra mit der Möwe, der seit sieben Wochen dastand wie ein Mahnmal und auf den außer der Möwe niemand scharf war.

Im Verkaufsraum war es noch dunkel und roch nach kaltem Kaffee von Freitag. Mario machte als Erstes die Maschine an, noch vor dem Licht und deutlich vor dem Verstand. Die Kaffeemaschine war das eigentliche Herz von Cars & More. Autos kamen und gingen, Kunden kamen und gingen, aber die Maschine lief, und wer hier je etwas gekauft, reklamiert, verhandelt oder einfach nur sein Herz ausgeschüttet hatte, der hatte dabei einen Becher in der Hand gehabt.

Der Anrufbeantworter blinkte dreimal. Montagmorgen-Standard.

Um 8:02 Uhr klingelte das Telefon. Der Tag nahm offiziell den Betrieb auf.

„Cars & More, Zakkaloni.“

„Ja, moin. Der Golf, ist der noch da?“

[ … ]

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